An Brasiliens Nordostküste liegen zwei Strände, die oft zu den schönsten des Landes gezählt werden — beide gesetzlich geschützt, aber aus fast entgegengesetzten Gründen und mit fast entgegengesetzten Regeln. Der eine liegt in einem Archipel, das 1988 zum Meerespark wurde und sich über eine tägliche Umweltabgabe finanziert. Der andere ist ein Meer aus Wanderdünen, das brasilianisches Recht wegen seiner Landschaft und seines Windes schützt, nicht wegen eines Riffs. Der Vergleich der beiden — Praia do Sancho auf Fernando de Noronha und Praia de Jericoacoara im Bundesstaat Ceará — zeigt viel darüber, wie Brasilien entscheidet, was schützenswert ist, und wie.
Praia do Sancho liegt im Archipel Fernando de Noronha, vor der Küste des Bundesstaats Pernambuco. Am 14. September 1988 gründete die brasilianische Regierung den Parque Nacional Marinho de Fernando de Noronha, der heute 10.927,64 Hektar Land und Meer umfasst — laut englischer Wikipedia rund 70 % der gesamten Fläche des Archipels. 2001 erklärte die UNESCO das Gebiet zusammen mit dem Atol das Rocas zum Weltkulturerbe, unter der Bezeichnung „Brazilian Atlantic Islands: Fernando de Noronha and Atol das Rocas Reserves".
Der Besuch des Archipels ist mit direkten Kosten für diesen Schutz verbunden: Jeder Besucher zahlt die Taxa de Preservação Ambiental (TPA), eine Umweltabgabe, die 2022 bei R$87,21 pro Person und Tag lag (die Höhe wird regelmäßig angepasst, ein aktueller Check vor der Reise lohnt sich also). Diese Abgabe ist getrennt vom PANAMAR-Ticket, das zusätzlich für den Zugang zu den meisten touristischen Zielen im Meerespark benötigt wird — Praia do Sancho eingeschlossen.
Nur wenige Minuten von Praia do Sancho entfernt liegt die Baía dos Golfinhos (Delfinbucht), die als der weltweit regelmäßigste Beobachtungsort für den Langschnauzendelfin (Stenella longirostris) beschrieben wird, der sich dort täglich versammelt. Seit 1990 verfolgt das Projeto Golfinho Rotador diese Population, koordiniert vom Centro Golfinho Rotador und gesponsert von Petrobras — mehr als drei Jahrzehnte kontinuierlicher Daten über dieselbe Art am selben Ort. Der Schutz ist nicht nur symbolisch: Zwischen Januar und Juni dürfen Boote zwischen 18 und 6 Uhr nicht in der Nähe der Bucht ankern, und das Unterwasserfischen ist dort das ganze Jahr über verboten.
Auf der anderen Seite von Brasiliens Nordosten, an der Küste des Bundesstaats Ceará, hat Praia de Jericoacoara eine ganz andere Schutzgeschichte. Das Gebiet begann als staatliches Umweltschutzgebiet, gegründet am 29. Oktober 1984 mit 8.416 Hektar. Erst am 4. Februar 2002 wurde daraus der bundesweit vom ICMBio verwaltete Parque Nacional de Jericoacoara, der im September 2005 um weitere 207 Hektar erweitert wurde — insgesamt rund 8.850 Hektar. Der Name stammt aus dem Tupi und bedeutet laut dokumentierten Quellen „Schildkrötenbau" — ein Hinweis darauf, dass Landtierwelt und Dünen, nicht ein Korallenriff, schon immer der Grund für den Schutz waren.
Genau diese Landschaft aus Wanderdünen, kombiniert mit beständigen Passatwinden, macht Jericoacoara zu einem Ziel, das für „günstige Bedingungen für Windsurfen und Sandboarding" bekannt ist. Anders als auf Fernando de Noronha gibt es keine tägliche Umweltabgabe wie die TPA — der Zutritt zum Dorf oder zum Park ist für Besucher direkt kostenlos. Die Gemeinde Jijoca de Jericoacoara wurde erst 1991 gegründet, und der örtliche Flughafen — der den Zugang erheblich erleichterte — öffnete erst 2017.
In der Praxis ergeben sich daraus zwei sehr unterschiedliche Versionen eines „geschützten Strandes". Bei Sancho ist der Schutz vor allem marin und wird von Besuchern direkt über TPA und PANAMAR bezahlt, mit spezifischen Regeln zum Schutz von Arten wie dem Langschnauzendelfin. Bei Jericoacoara wurde der Schutz geschaffen, um Dünen und ein küstennahes Landökosystem zu bewahren, ohne vergleichbare Besucherabgabe — und es ist der Wind, nicht das Riff, der weiterhin Besucher anzieht. Keiner der beiden Strände ist „stärker geschützt" als der andere: Es sind schlicht zwei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage — was schützenswert ist, und wie man diesen Schutz selbst finanziert.
Ja. Jeder Besucher von Fernando de Noronha zahlt die Taxa de Preservação Ambiental (TPA), die 2022 bei R$87,21 pro Person und Tag lag, zusätzlich zu einem separaten PANAMAR-Ticket, das für den Zugang zu den meisten Stränden und Attraktionen im Meerespark nötig ist.
Es gibt keine tägliche Umweltabgabe, die der TPA von Fernando de Noronha entspricht. Jericoacoara ist seit 2002 als Nationalpark wegen seiner Dünen und seines Küstenökosystems geschützt, nicht wegen eines Meeresriffs.
Weil es ausgedehnte Wanderdünen mit das ganze Jahr über beständigen Passatwinden verbindet — genau die Bedingungen, die zur Gründung des Nationalparks führten, der das Gebiet heute schützt.
Ausgewählt von der Redaktion.