Über dem venezianischen Hafen von Chania, an der Nordwestküste Kretas, erhebt sich der Kastelli-Hügel — der Ort, den diese Seite Torre de Kastro nennt. Er zählt zu den am längsten durchgehend besiedelten Orten Europas: Ausgrabungen belegen eine nahezu ununterbrochene menschliche Besiedlung vom Übergang zwischen Jungsteinzeit und früher Bronzezeit, etwa 3000-2900 v. Chr., bis heute.
Hier stand einst Kydonia, eine der bedeutendsten minoischen Städte im Westen Kretas. Griechisch-schwedische Ausgrabungen am Agia-Ekaterini-Platz zwischen 1969 und 2014 (ab 2010 gemeinsam mit einem dänischen Team) legten ein dichtes Stadtviertel frei — Häuser mit mehr als 200 m² Fläche, Fresken, Siegel und ein Archiv aus Linear-A-Täfelchen, eines der größten je gefundenen. 1989/90 entdeckten die Archäologen zudem fünf Linear-B-Täfelchen, die einzigen, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts außerhalb von Knossos gefunden wurden. Im Juli 2025 nahm die UNESCO Kydonia als Teil der "Minoischen Palastzentren" in die Welterbeliste auf — ein serielles Weltkulturerbe aus sechs archäologischen Stätten auf Kreta, gemeinsam mit Knossos, Phaistos, Malia, Zakros und Zominthos.
Der Hügel behielt seine strategische Bedeutung noch lange nach dem Ende der minoischen Kultur. Im 6./7. Jahrhundert n. Chr. befestigten ihn die Byzantiner mit Steinen aus hellenistischen und römischen Bauten und verstärkten die Mauern im 10. Jahrhundert gegen arabische Angriffe. Nach dem Vierten Kreuzzug 1204 fiel Kreta an Venedig — die venezianische Kontrolle setzte sich jedoch nicht sofort durch: Ab 1206 besetzte der genuesische Freibeuter Enrico Pescatore mehrere Festungen der Insel und stritt sie Venedig über Jahre streitig. Erst mit der "Kolonisationswelle" von 1252 wurde Kastelli tatsächlich zum Zentrum der neuen venezianischen Stadt Canea (Chania), mit einer neuen Stadtmauer, Herrenhäusern und öffentlichen Gebäuden, darunter die Kathedrale Santa Maria.
Große Teile des historischen Viertels wurden 1941 bei deutschen Bombenangriffen zerstört, die auch die venezianische Kathedrale trafen und dabei unbeabsichtigt minoische Keramik unter den Trümmern freilegten. Erst Jahrzehnte später wurde der Fund weiterverfolgt: 1963 entdeckte der britische Künstler John Craxton minoische Scherben an dieser Stelle, was Pläne für einen Kirchenneubau stoppte und den Weg für die 1966 beginnenden systematischen Ausgrabungen ebnete.
Heute ist die archäologische Stätte am Agia-Ekaterini-Platz eingezäunt und nur von außen zu besichtigen, doch der kurze, steile Aufstieg über die Kanevarou-Straße vom venezianischen Hafen aus lohnt sich für den Blick über Hafen und Leuchtturm. Von hier aus lässt sich die weitere Region Kreta leicht erkunden, oder man fährt weiter westlich zum Strand von Elafonissi, rund 50 km entfernt in derselben Region, über die Berge der Lefka Ori.
Der Zugang zu diesem Bereich ist mit 4 € angegeben; ein Großteil des Kastelli-Hügels, einschließlich des eingezäunten Ausgrabungsgeländes, lässt sich aber auch kostenlos von außen besichtigen.
Zu Fuß, über die Kanevarou-Straße vom venezianischen Hafen von Chania aus — ein kurzer, aber steiler Aufstieg von wenigen Minuten. Der Internationale Flughafen Chania "Ioannis Daskalogiannis" liegt etwa 14 km entfernt.
Nicht regulär: Die Ausgrabungen am Agia-Ekaterini-Platz sind für die Öffentlichkeit eingezäunt, die übereinanderliegenden minoischen, byzantinischen und venezianischen Reste sind aber von außen sichtbar.
Ja — seit Juli 2025 ist es Teil der seriellen Welterbestätte "Minoische Palastzentren", zusammen mit Knossos, Phaistos, Malia, Zakros und Zominthos.